Übertragung von körperlichen Beeinträchtigungen auf Objekte

Im Design wird normalerweise das Fehlerhafte und Dysfunktionale vermieden, ein gestaltetes Objekt muss immer vollständig und perfekt ausgereift sein. Die Unvollkommenheit ist jedoch eine Quelle der Kreativität. Abweichungen von der Norm, die vermeintlich als Beeinträchtigung oder Defizit empfunden werden, entwickeln sich oftmals zu neuen Fähigkeiten. Der Invaliditätsbegriff diente als Gestaltungsstrategie zur Veränderung gewohnter Eigenschaften oder zur Erschaffung gänzlich neuer Funktionen. Der Entwurfsansatz beschäftigt sich daher nicht mit der Heilung oder Pflege „invalider“ beziehungsweise fehlerhafter Dinge, sondern mit der Umwertung der Störung in etwas Positives.

Der Titel dieser Arbeit   enthält die beiden Begriffe valid und invalid, die auch in der Bedeutung von gültig bzw. ungültig verwendet werden. Im Entwurfsprozess strebten wir die darin enthaltene Umwertung an. Aus einem defizitären Objekt geht nun ein, auf eine andere, unerwartete Art vollständiges Produkt hervor. Wir fügten Objekten Beeinträchtigungen zu, die ihre Eigenschaften beeinflussten, indem wir Kennzeichen der Invalidität auf sie transferierten. Wie ein Knochenbruch das Skelett verändern kann, können Störungen im Gerüst eines Gegenstands dessen Gebrauchsweise beeinflussen.

Unser Ziel ist es, der Invalidität eine neue Bedeutung zu verleihen und dadurch aufzuwerten. Es gilt die Norm als bloßen Durchschnitt zu entlarven, denn sie ist das Erwartete, Gewohnte und Unspektakuläre. Und wer wollte nur „normale“ Produkte entwerfen? Zwar wird es immer die Furcht vor dem Unbekannten geben, sie steht aber in ständiger Konkurrenz mit dem Wunsch nach dem Hervorragenden und dem Streben nach Individualität. Unsere Produktreihe beinhaltet die Akzeptanz und Anerkennung des Unvollkommenen.

KIPPISSUPPENKASPARPLATZHALTERMEISTER EDERGELENKSTUDIE

 
 
Impressum | Design & Copyright 2007 © Nina Farsen, Isabel Schöllhammer